16
Mrz
Mein schönstes Geschichtenbuch zur Erstkommunion
Die Sache mit Papa
Oh nein, Mami und Papi streiten schon wieder. Es ist nicht auszuhalten! Antonia schlägt ihre Zimmertür zu. Wie sie das hasst, dieses Gezanke. Und immer geht es um Geld. Bloß weil Mami dieses blöde neue Kleid gekauft hat und die zwei CDs. Papas Stimme dringt bis in Antonias Zimmer:
” Wieviel soll ich denn noch arbeiten, damit du endlich genug Geld hast? Du gibst zu viel aus!”
Arme Mami, denkt Antonia. Aber manchmal hat Paps ja auch Recht. Mami kauft wirklich viel ein. Aber früher war das irgendwie nicht so schlimm. Seit ein paar Wochen ist alles anders. Paps hat ständig schlechte Laune. Selbst Antonia bekommt das zu spüren. Paps macht keine Scherze mehr. Und zum Gestüt ist er auch schon lange nicht mehr mitgekommen..
” Wenn ihr ständig streitet, geh ich halt zu Mähne!”, ruft Antonia ins Wohnzimmer und packt ihre Reitstiefel unter den Arm. Wumm- Schlägt die Haustür zu. Mähne hebt den Kopf, als Antonia die Stalltür öffnet. Freudig wiehert sie und schacht mit den Hufen. ” Hallo Mähne, gibt mal wieder Stress daheim”, begrüßt Antonia sie. ” Komm, wir reiten aus.” Dafür ist Mähne immer zu haben. Antonias Haare wehen im Wind, so schnell galoppiert Mähne über das Feld.
” Super, eine Stunde früher aus”, freuen sich Antonia und ihre Freundin Ilka. ” Dass Mathe ausfällt, ist doppelt gut, oder?, lacht Ilka. ” Lass uns doch ins Gestüt gehen. Bei uns gibt es erst um eins Mittagessen.”
” Ja klar, Mami kocht auch erst später”.
Von der Schule zum Gestüt ist es nicht weit. Antonia und Ilka fahren zwei Stationen mit dem Linienbus. Dann laufen sie quer durch die Fußgängerzone. Und dann – halt, stopp!
” Schau mal, ist das nicht dein Papa?”, sagt Ilka plötzlich.
” Paps? Wo ?”
” Dort in dem kleinen Café´am Ecktisch. Der mit der Zeitung”. Tatsächlich. Da sitzt Antonias Papa und ist ganz in seine Lektüre vertieft. Er bemerkt die Mädchen nicht.
Komisch, denkt Antonia. Paps ist doch im Büro. Und die Firma, bei der er arbeitet, liegt in einem ganz anderen Stadtteil.Ob er hier Mittagspause macht? Ne, das ist doch viel zu weit weg. ” Ach, wahrscheinlich wartet er auf jemand. Ich sag ihm einfach heute Abend, dass wir ihn gesehen haben. Komm, laufen wir weiter. Sonst ist es zu spät fürs Gestüt.”
Doch am Abend sagt Antonia nichts zu Paps. Er ist – wie fast immer in letzter Zeit – schrecklich schlechter Laune. Mami meint beim Abendessen, es sei gar nicht nett von seinen Kollegen, Paps so viel
Arbeit zusätzlich aufzuhalsen. Ein komplett neues Computerprogramm müsse Paps nun bis Ende des Monats erarbeiten. Das sei so stressig, dass er nicht einmal mehr mittags rauskomme. Antonia schweigt. Später im Bett weint sie. Sie möchte so gerne, dass alles wieder so ist wie früher.
Drei Tage später macht Antonia etwas Verbotenes. Sie lügt. Nach der vierten Unterrichtsstunde geht sie zu ihrer Lehrerin und sagt:” Frau Baritsch, mir so furchtbar schlecht. Bitte darf ich nach Hause gehen?”
” Aber ja, Antonia. Soll ich Deinen Eltern Bescheid sagen? Willst du geholt werden?”
” Nein ,danke, ich nehme den Bus. Das geht schon”. Antonias Herz klopft bis zum Hals, als sie in den Bus steigt. In der Fußgängerzone ist heute was los. Freitag ist Markttag. Frauen mit Einkaufskörben hasten an ihr vorbei. Zwei Straßenmusikanten fideln um die Wette. Antonia wankt wie im Traum durch all die Leute. Vor dem kleinen Café´hält sie inne. Tatsächlich! Da sitzt Paps! Wiederist er ganz in die Zeitung vertieft. Ein Glas Mineralwasser steht vor ihm. Antonia hält sich in einer Hausnische versteckt. Etwa eine halbe Stunde kauert sie da. Doch niemand setzt sich zu Paps an den Tisch. Er scheint auch auf niemanden zu warten. Paps liest seelenruhig in der Zeitung. Er hebt nicht einmal den Kopf, wenn ein neuer Gast das Café´betritt. Antonia läuft so schnell sie kann zurück zur Bushltestelle. Ich muss mit Mami reden, fährt es ihr durch den Kopf. Mami schüttelt beunruhigt den Kopf.
” Nein, das weiß ich auch nicht, was Paps da macht. Er hat mir nichts von irgendwelchen Treffen erzählt. Und überhaupt, Paps mag doch Cafés eigentlich gar nicht”.
Ein Glück, dass Mami nicht gefragt hat, ob eine Schulstunde ausgefallen ist. Antonia schämt sich immer noch, weil sie die Lehrerin angelogen hat. Aber das mit Paps war einfach zu wichtig. In den nächsten Tagen ist es merkwürdig still zu Hause. Antonia hat ihrer Mutter versprochen, nicht mehr zu dem Café zu gehen und auch nichts zu Paps zu sagen. Mami und Paps sprechen wenig. Paps verzieht sich meist gleich in sein Arbeitszimmer, wenn er nach Hause kommt. Und Mami sitzt an ihrer Nähmaschine und näht und näht. Einmal ertappt Antonia sie, wie sie weint. Doch als sie Antonia sieht, wischt sie sich schnell das Gesicht ab und tut so, als ob sie sich schnäuzt. Antonia verbringt ihre freie Zeit ausschließlich mit Mähne. Sie säubert den Stall, trainiert für das nächste Hallenturnier und jagt über die Felder. Aber egal, was sie macht, sie hat immer nur einen Gedanken: Was ist los mit Paps?
” Antonia, wo bleibst du nur? Ich Warte schon auf dich”, ruft Mami, als Antonia die Treppe hinaufschnauft.
” Hallo Mami, was gibt es denn? Ich bin ja schon da.”
Mami zieht Antonia zur Haustür herein. Sie hat Pfannkuchengebacken und es riecht in der ganzen Wohnung danach. Der Tisch ist auch schon gedeckt.
” Antonia, mein Mädchen, ich muss mit dir reden”, beginnt Mami. ” Ich weiß jetzt endlich, was mit Papa los ist!”
” Mami, sag schnell, was ist denn?”
” Paps hat die Arbeit verloren. Er ist schon seit drei Monaten arbeitslos. Und ich glaube, er schämt sich so furchtbar, dass er es einfach nicht fertig bringt, uns etwas zu sagen”.
Antonia schlägt sich vor den Kopf. ” Deswegen geht er nach wie vor jeden Morgen mit mir aus dem Haus und sitzt dann deb ganzen Tag im Café! Oh der Arme!”, schrit sie. Wie hast du es denn erfahren?”
” Ich war in der Firma und wollte mit dem Kollegen sprechen, der Paps angeblich immer die ganze Arbeit auflädt. Und der sagte, dass Papa schon seit elf Wochen gekündigt wäre”.
“Ist das gemein. Was machen wir denn jetzt?”.
“Erst einmal müssen wir mit Papa sprechen. Und dann werden wir schon eine neue Arbeit finden. Oder ich geh wieder in die Änderungsschneiderei zum Arbeiten. Zumindest am Anfang könnte das eine Lösung sein.”
Müde und blass kommt Antonias Vater auch an diesem Abend nach Hause. Doch bevor er sich in sein Zimmer zurüchziehen kann, springt Antonia auf ihn zu. Sie drückt ihn ganz fest an sich und flüstert:” Paps, ich muss dir etwas sagen”.
Paps zieht sie auf seinen Schoß und schaut ihr erwartungsvoll ins Gesicht.
” Ich hab vor ein paar Tagen meine Lehrerin angelogen. Ich hab mich so geschämt, dass ich es einfach nicht mehr ausgehlten habe. Heute bin ich zu ihr hingegangen und hab ihr alles gebeichtet. Und stell dir vor, sie war gar nicht böse. Sie hat nur gesagt:” Jetzt ist dir bestimmt leichter.”
Paps sagt gar nichts. Da nimmt Antonia sein Gesicht in ihre Hände und schaut ihn ganz bestimmt an :
“Du, Mami und ich wissen Bescheid!” Einen Moment lang verfinstert sich Paps Miene, dann senkt er die Augen.
” Ich hab es einfach nicht übers Herz gebracht, euch alles zu erzählen. Es tut mir so Leid! Wie sollen wir bloß über die Runden kommen, wenn ich keinen Job habe?”
Er drückt Antonia so fest er nur kann. ” Mach dir keine Sorgen, Papa. Wir werden schon wieder eine Arbeit für dich finden. Wir halten doch zusammen, oder?”
” Und wie”, nickt Papa erleichert und nimmt Antonia noch fester in beide Arme.
Eine Geschichte aus dem Buch : Mein schönstes Geschichtenbuch zur Erstkommunion. Von Claudia Fuchs und Anrea Dölling erschienen im Pattloch Verlag


Donnerstag, 27 März, 2008 um 23:51
Mein Vorschlag wäre ein kleines Geschenk zur Kommunion zu machen – zum Beispiel den Mondschlüssel, oder Elfenmärchen von Petra Maria Scheid – Da geht ein Euro pro verkauftes Buch an Kindergärten.
http://www.johannisnacht.com